Grenzstein mit dem Handy-GPS suchen?

Für seine tägliche Arbeit greift ein Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur auf viele technische Geräte zurück. Seit einigen Jahren hat auch die Vermessung mit GPS in der hoheitlichen Vermessung, also auch bei der Suche nach  Grenzsteinen, Einzug gehalten.

In diesem Zusammenhang bekommen wir immer öfter Anfragen ob man denn den Grenzstein nicht auch mit einem Handy suchen könnte.

Die Beantwortung dieser Frage ist etwas komplexer als gedacht. Generell ist die Antwort erst einmal JA. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit mit dem GPS-Daten  eines Handys einen Grenzstein zu finden nahezu aussichtslos.

Grund 1 – Der Sensor des Handys

Das Satelietenmessgerät des Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur reduziert seine Messung nicht auf reine GPS-Daten. Verwendet werden auch die Daten der GLONASS-Satelliten und zukünftig auch die von GALILEO. Deswegen wird nicht von einer GPS-Messung sonder von einer GNSS-Messung gesprochen. Dies können Moderne Handys ebenso. Allerdings werden die Empfangschips der Handys immer kleiner. Die Antennen der Vermessungsingeneure sind Tellergroß und mehre CM dick. Darin enthalten sind neben dem reinen Chip (welcher speziell kalibriert wurde) auch Abschirmungen gegen sogenannte Mehrwegeeinflüsse. Diese entstehen wenn die elektromagnetischen Strahlen der Satelliten z.B. an Gebäuden reflektiert werden.

Die Genauigkeit eines Handysensors ist bei neuartigen Highend-Geräten bei rund 4 Meter. Der Empfänger des Vermessungsingenieurs liegt bei 3 Metern Genauigkeit.

Grund 2 – Korrekturdaten

Da die Grundgenauigkeit von 3 Metern nicht ausreicht, benötigt der Empfänger Korrekturdaten um die gewünschten 1-2 CM Genauigkeit zu erreichen.

Diese Korrekturdaten werden durch einen Netz von weiteren GNSS-Empfängern errechnet. Diese ermitteln jeweils ihre eigene Position und vergleichen diese mit deren tatsächlichen Positionen. Die Differenz ist der anzubringende Korrekturwert. Diesere Daten werden permanent per Funk an den Empfänger des Vermessungsingenieurs weitergeleitet.

Nur durch dieses ausgeklügelte System kann der Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur auf die Positionierungsmethode des 21-Jahrhunderts zurückgreifen.

Zusammenfassung

GPS-Empfänger ist nicht gleich GPS-Empfänger. Neben den verschiedenen technischen Voraussetzungen wird ein ganzes Korrektur-Netz benötigt um auf CM-Genauigkeit zu kommen. Darüberhinaus muss der Bediener der Technik über fundiertes Wissen verfügen.

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geschrieben von Verm.-Ass. Dipl. Ing. Erik Sefkow am